Sommerzeit – Anzeichen für Ertrinken – Der Tod kommt fast lautlos

Woran erkennt man einen Ertrinkenden? Entgegen des gängigen Vorurteils rudern Ertrinkende selten mit den Armen und schreien nicht um Hilfe, sondern gehen fast lautlos unter. Nur wer die Signale richtig zu interpretieren weiß, kann zeitig Hilfe leisten.

Sommerzeit ist Badezeit – und das bedeutet auch Gefahren, sterben doch jedes Jahr in Deutschland 400 Menschen durch Ertrinken. Wie das Onlineportal Nordsee24 berichtet, geschieht dies häufig sogar vor den Augen anderer Badegäste, weil sie die Situation nicht richtig einschätzen. Denn meist verhalten sich Ertrinkende nicht so, wie dies in Filmen gezeigt wird. Sie rudern nicht mit den Armen und schreien nicht um Hilfe, sondern sind beinahe lautlos. Ertrinken sieht nicht aus wie Ertrinken!

Hilferuf und Armrudern ist Ertrinkenden oft nicht möglich

Was Menschen in Situationen des Ertrinkens tun, hat der Mediziner und langjährige Rettungsausbilder Francesco A. Pia „Instinktive Reaktion“ genannt. Sie haben nämlich oftmals gar keine Kraft mehr, um nach Hilfe zu schreien, und versuchen stattdessen instinktiv alles, um das Untertauchen zu verhindern. Da sich der Mund unter Wasser befindet und nur kurz wieder auftaucht, wollen die Ertrinkenden beim Auftauchen ein- und ausatmen, bevor der Kopf wieder unter Wasser gleitet.

Auch das Rudern mit den Armen ist Ertrinkenden physisch oft gar nicht möglich. Stattdessen werden die Arme beim Auftauchen seitlich ausgestreckt und auf die Wasseroberfläche gedrückt – eine Schutzfunktion, die verhindern soll, dass der Körper schnell wieder hinabsinkt. Bewegungen in dieser Ausnahmesituation des Überlebenskampfes bewusst zu steuern, ist da beinahe ausgeschlossen.

In der Regel bleiben Ertrinkende nur für 20 bis 60 Sekunden über der Wasseroberfläche und sinken dann wieder hinab. Dabei befindet sich der Körper meist auf im Wasser. Weil sich all das lautlos vollzieht und die Ertrinkenden keine bewussten Signale ihrer Notlage senden, wird die Situation häufig von den Beobachtenden nicht erkannt – die Menschen ertrinken, obwohl ihnen geholfen werden könnte! Freilich kommt es auch vor, dass Personen in Not rufen und winken. Dann sollte ihnen ebenfalls geholfen werden.

Weitere Anzeichen des Ertrinkens können sein, dass der Kopf nach hinten geneigt ist und sich unter der Wasseroberfläche befindet. Auch, dass die Augen leer, glasig oder geschlossen sind oder die Person Schwimmversuche unternimmt, ohne sich von der Stelle zu bewegen.

Eigenschutz ist beim Retten wichtig!

Was aber tun, wenn jemand zu ertrinken droht? Vor einem Rettungsversuch sollte man möglichst andere Personen aufmerksam machen, damit sie den Notdienst oder andere professionelle Hilfe rufen. Zudem sollte man bedenken, dass der Ertrinkende sich in Panik an den Körper des Retters zu klammern versucht – im schlimmsten Fall könnte er also den Helfenden selbst gefährden. Wenn möglich empfiehlt es sich, der Person einen schwimmenden Gegenstand zu reichen und den Kontakt zu meiden.

Wenn verfügbar, sollten schwimmende und auftreibende Hilfsmittel benutzt werden, etwa ein Schwimmring oder Brett. Diese eignen sich nicht nur zur Rettung, sondern können auch zur Verteidigung gegen die in Panik um sich schlagende ertrinkende Person verwendet werden. Wer sich auf dem Weg zum Ertrinkenden voll verausgabt, riskiert hingegen, dass auf dem Rückweg die Kräfte nicht mehr ausreichen. Deshalb Ruhe bewahren und konditioniert schwimmen!

Sobald der Ertrinkende an einen sicheren Ort gebracht wurde, darf mit Erste-Hilfe-Maßnahmen keine Sekunde gewartet werden. Ist der Betroffene bewusstlos, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Wenn er nicht mehr atmet, rettet ihn nur eine sofortige Herz-Lungen-Wiederbelebung aus Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Die Verständigung eines Rettungsdienstes sollte hierbei selbstverständlich sein, sofern sie nicht bereits zuvor geschehen ist.

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